Allianz Kommunaler Großkrankenhäuser Aktuelles

Pandemiehilfen an der Versorgungsrolle ausrichten. Fehlanreize vermeiden.

Versorgungsaufschlag nicht im Erlösausgleich berücksichtigen

Ganzjahresausgleich verlängern und nach Versorgungsrolle differenzieren

Fehlanreize führen zu dauerhaften Verwerfungen und demotivieren Mitarbeitende

 

Am heutigen Donnerstag entscheidet der Bundestag über das Infektionsschutzänderungsgesetz. Darin werden auch neue Finanzhilfen für die Krankenhäuser beschlossen. Mit dem nun vorgesehenen Versorgungsaufschlag an Krankenhäuser aufgrund von Sonderbelastungen durch das Coronavirus wird erstmals die Versorgungsrolle der Krankenhäuser in der Pandemie berücksichtigt. „Weder leere noch volle Betten alleine versorgen Menschen“, betont Dr. Matthias Bracht, Vorstandsvorsitzender der Allianz Kommunaler Großkrankenhäuser (AKG-Kliniken) mit Blick auf die komplizierten Diskussionen zu den Finanzhilfen für Krankenhäuser in der Covid-19-Pandemie. „Die Versorgungsrolle ergibt sich aus der regionalen Zusammenarbeit und den behandelten Patientinnen und Patienten“, ergänzt Bracht und begrüßt die vorliegenden Vorschläge für einen Versorgungsaufschlag ausdrücklich.

Mit dem Versorgungsaufschlag sollen zusätzliche Anreize zur Behandlung von Covid-Patient_innen geschaffen werden. Dies erscheint ohne einheitliche Vorgaben zur Absage von planbaren Behandlungen durch die Krankenhäuser zwingend erforderlich. „Wir sehen anhand unserer Benchmarkdaten bereits heute nachhaltige Verschiebungen von Patientenströmen zu Gunsten von Spezialanbietern, die keinen Beitrag zur Pandemie-Bewältigung geleistet haben“, verweist Nils Dehne, Geschäftsführer der AKG-Kliniken, auf die langfristigen Auswirkungen der anstehenden Entscheidungen im Bundestag.

Dennoch besteht auch bei diesem Konzept das Risiko von neuen Fehlanreizen. Leider haben der enge Zeitplan und die öffentlichen Debatten um geeignete Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie eine fundierte Ausarbeitung der Versorgungsaufschläge kaum zugelassen. Im Hinblick auf die ausstehende Gesetzgebung zu einer berufsbezogenen Impfpflicht und die nun gesetzlich verankerte Verordnungsermächtigung für das Gesundheitsministerium fordern die AKG-Kliniken die Ampel-Parteien als neue Mehrheit im Bundestag zur zügigen Nachbesserung des Versorgungsauschlages auf:

  • Die Zahlungen aus dem Versorgungsaufschlag dürfen nicht in den Ganzjahresausgleich für coronabedingte Erlösrückgänge im Jahr 2021 einberechnet werden. Andernfalls läuft der Anreiz zur Versorgung von Covid-Patient_innen gerade für Krankenhäuser mit geringen Erlösrückgängen und hohen Erlösen aus Spezialbehandlungen ins Leere.
  • Der Versorgungsaufschlag darf nicht für Covid-Patient_innen fällig werden, die innerhalb der ersten 5 Tage (bisher 2 Tage) nach Aufnahme durch das aufnehmende Krankenhaus verlegt werden. Andernfalls besteht ein Fehlanreiz zur Aufnahme und kurzfristigen Verlegung von Covid-Patient_innen. Alternativ ist ein Verlegungsabschlag durch das abgebende Krankenhaus an das aufnehmende Krankenhaus weiterzureichen.
  • Der Versorgungsaufschlag muss anhand der Verweildauer differenziert werden. Andernfalls besteht ein Fehlanreiz zur Aufnahme von leichten Covid-Patient_innen, weil Fälle mit einer unterdurchschnittlichen Verweildauer besonders belohnt werden, während Fälle mit einer überdurchschnittlichen Verweildauer (z.B. beatmete Patient_innen auf den Intensivstationen) benachteiligt werden.
  • Der Mechanismus des Ganzjahresausgleiches ist nach der Anzahl der behandelten Covid-Patient_innen zu differenzieren, sodass Krankenhäusern mit dem höchsten Versorgungsanteil von Covid-Patient_innen ein vollständiger Ausgleich auf Basis der Ergebnisse des Jahres 2019 ermöglicht wird. Eine entsprechende Regelung für das Jahr 2022 ist zügig zu realisieren.

Seit Beginn der Corona-Pandemie übernehmen gerade die kommunalen Großkrankenhäuser eine zentrale Rolle bei der Pandemiebewältigung, die weit über die Behandlung von Patientinnen und Patienten hinausgeht. Aufgrund der damit verbundenen Anstrengungen sind die Mitarbeitenden dieser Häuser nach mehr als 20 Monaten im Pandemiemodus an der Belastungsgrenze angekommen. Ohne die vorgeschlagenen Anpassungen schafft der gutgemeinte Versorgungsaufschlag neue Anreize zur wirtschaftlichen Optimierung zu Lasten der gemeinsamen Pandemiebewältigung. „Weder die Mitarbeitenden noch die Öffentlichkeit gewinnen wir auf diese Weise zum Durchalten und Mitwirken“, betonen Bracht und Dehne. „Wir appellieren deshalb an alle Entscheidungsträger zum offenen und direkten Austausch über die Wirkungen und Folgen der vorgesehenen Maßnahmen. Hierfür stehen wir, die AKG-Kliniken gerne auch im Expertenbeirat nach §24 KHG zur Verfügung.“

Pressekontakt

Arbeitsgemeinschaft Kommunaler Großkrankenhäuser e.V.

Pressesprecher: Steffen Ellerhoff

Fon: 0511 906 6500
E-Mail: steffen.ellerhoff@akg-kliniken.de