Arbeitsgemeinschaft kommunaler Großkrankenhäuser Aktuelles

Nachhaltige Krankenhausstrukturen für Deutschland

Reform des Versorgungssystems muss sich streng am Bedarf orientieren und Sektorengrenzen überwinden

Klar definierte Versorgungsrollen können den Verdrängungswettbewerb zu Lasten von Patienten und Mitarbeitern beenden

Gesundheitsminister muss die notwendige Reform der Krankenhausstrukturen auf die Tagesordnung setzen

 

Statistische Hochrechnungen machen noch keine Krankenhausplanung

„Die Bertelsmann-Studie adressiert ein zentrales Problem der Gesundheitsversorgung, dass der Gesundheitsminister bisher in seiner Reformagenda vollständig ausgespart hat. Die von den Autoren der Studie angestoßene Diskussion ist deshalb richtig und notwendig. Allerdings scheinen die hektischen und pauschalen Reaktionen der Interessensvertreter einen sachlichen und zielorientierten Diskurs über notwendige Entwicklungsschritte verhindern zu wollen“, fasst Dr. Matthias Bracht, Vorstandsvorsitzender der AKG die aktuelle mediale Auseinandersetzung um die jüngste Studie aus dem Hause Bertelsmann zusammen, wonach die Schließung von mehr als 50 % aller Krankenhäuser die Qualität der Krankenhausversorgung verbessern würde und bestehende Engpässe bei Ärzten und Pflegepersonal mildern soll.

„Die Frage ist nicht, wie viele Krankenhäuser wir in Deutschland brauchen, sondern, wie wir die Strukturen so weiterentwickeln können, dass jeder Bürger versteht, wo er für seinen konkreten Bedarf die bestmögliche Versorgung erhält“, bringt Helmut Schüttig, Geschäftsführer der AKG, die schwierige Debatte anschaulich auf den Punkt.

Krankenhausplanung ist kein statistisches Modell, sondern das Ergebnis einer gesellschaftlichen und politischen Debatte. „Wir brauchen endlich eine Krankenhausplanung, die diese Bezeichnung auch verdient. Dabei geht es nicht um die Frage, welche Institution wir erhalten wollen, sondern um bundesweit einheitliche Anforderungen, anreizgerechte Vergütungsstrukturen, eine solide Investitionsfinanzierung und eine nachhaltige Patientensteuerung“, fasst Schüttig die Hausaufgaben der Politik zusammen.

 

Kommunale Großkrankenhäuser sind Lotsen im Strukturwandel

Die kommunalen Großkrankenhäuser betreiben große Maximalversorger und entwickeln gleichzeitig modernen Versorgungsnetzwerken für die Fläche. Als Träger der kommunalen Daseinsvorsorge sind sie nachhaltige Stütze der Versorgung und vermitteln schon heute Tag für Tag zwischen gesellschaftlich Wünschenswertem und politisch bzw. wirtschaftlich Tragfähigem. Die AKG stellt sich der schwierigen Strukturdebatte zwischen notwendiger Spezialisierung in ausreichender Größe bei gleichzeitiger Versorgungsbreite einerseits und der langfristigen Sicherstellung der flächendeckenden Versorgung andererseits mit konkreten Vorschlägen für eine nachhaltige Krankenhausreform. Hierfür fordert sie den Gesetzgeber zum Handeln auf:

  • Mit einer zügigen Umsetzung der angestrebten Notfallreform zur konsequenten Steuerung der Notfallpatienten.
  • Mit einem bundeseinheitlichen Konzept für abgestufte Versorgungsrollen (Basis-, Regel- und Maximalversorgung sowie Universitätskliniken) durch den GB-A mit klaren Anforderungen an Fachabteilungen, Ausstattung, Fachkräfte und Mindestmengen, in Verbindung mit
    • der Implementierung von Strukturpauschalen für „Versorgungseinheiten“ mit herausragender Qualität und Menge als Zuschläge zur DRG-Vergütung,
    • einer Anpassung der Pflegepersonaluntergrenzen an die jeweilige Versorgungsrolle (z.B. anhand des Leistungsspektrums),
    • der Schaffung von finanziellen Anreizen für Patienten zur Auswahl von „Versorgungseinheiten“ mit herausragender Qualität und Menge (z.B. durch Erstattung der Eigenanteile oder der Fahrtkosten).
  • Erweiterung des AOP-Kataloges nach §115 b SGB V auf sämtliche ambulant-sensitiven Indikationen und verbindlicher Risikokriterien für einen stationären Behandlungsbedarf durch den GB-A, in Verbindung mit
    • der Schaffung neuer Versorgungskonzepte im ambulanten Kontext durch Aufnahme von „Überwachungspauschalen“ in die ambulante Vergütungssystematik,
    • Stärkung der Institutsermächtigungen nach §116 b durch Festlegung eines sektorübergreifenden Versorgungsbedarfes in den Regionen sowie
    • einheitlichen Struktur- und Qualitätsanforderungen für alle Leistungserbringer in diesem Bereich.
  • Mit der Ausweitung des Krankenhausstrukturfonds zur Förderung von Strukturanpassungsmaßnahmen im Sinne des o.g. Stufenkonzeptes vom G-BA.

Pressekontakt

Arbeitsgemeinschaft Kommunaler Großkrankenhäuser e.V.

Pressesprecher: Steffen Ellerhoff

Fon: 0511 906 6500
E-Mail: steffen.ellerhoff@akg-kliniken.de