Arbeitsgemeinschaft kommunaler Großkrankenhäuser Aktuelles

MDK-Reformgesetz kuriert Symptome. AKG fordert ergebnisoffene Diskussion um sektorübergreifende Versorgungsangebote.

Ausweitung von ambulanten Behandlungsmöglichkeiten wird begrüßt, schließt jedoch noch keine Versorgungslücken

Krankenhäuser kompensieren fehlende Versorgung an den Sektorengrenzen und werden dafür bestraft

Abweichungen in der Verweildauer sind keine Falschabrechnung

Mit dem MDK-Reformgesetzt versuchte der Gesundheitsminister die aufgeheizten Gemüter in der Gesundheitspolitik rechtzeitig zur parlamentarischen Sommerpause etwas zu beruhigen. Die mediale Resonanz aus allen Interessenslagen ist überraschend positiv. Dabei werden in dem Referentenentwurf eher die Symptome der unsäglichen Prüfpraxis durch den MDK angegangen, nicht jedoch die tatsächlichen Ursachen.

 

Bürokratie trifft auf Versorgungsalltag

Vorausgegangen ist eine monatelange mediale Auseinandersetzung innerhalb der Selbstverwaltung über die Interpretation von Rechnungskorrekturen durch den MDK bei Krankenhäusern. Die Fakten lassen sich dabei recht kurz zusammenfassen:

  • Die Prüfquoten des MDK steigen seit Jahren kontinuierlich an und haben zwischenzeitlich ein Maß erreicht, dass einen nicht mehr zu rechtfertigen Ressourcenaufwand auf beiden Seiten verursacht.
  • Die häufigsten Rechnungskorrekturen ergeben sich bei der Prüfung, ob eine stationäre Krankenhausbehandlung überhaupt notwendig war (primäre Fehlbelegung) sowie bei der Frage nach der notwendigen Dauer des Krankenhausaufenthaltes (sekundäre Fehlbelegung). Hierbei handelt es sich um eine individuelle medizinische Einschätzung des behandelnden Arztes unter Berücksichtigung sämtlicher versorgungsrelevanter Aspekte zum Zeitpunkt des ärztlichen Erstkontaktes im Krankenhaus auf Basis der zu diesem Zeitpunkt vorliegenden Informationen. Im Regelfall ist hierbei bereits eine Einweisungsentscheidung durch einen niedergelassenen Arzt und damit eine weitere unabhängige ärztliche Einschätzung vorausgegangen.
  • Die Rechnungskorrekturen nehmen mit zunehmenden Prüfquoten weiter zu. Vor dem Hintergrund der häufigsten Korrekturursachen erscheint dieser Zusammenhang durchaus kausal. Bei einer nachträglichen Überprüfung der medizinischen Entscheidung unter Berücksichtigung der Informationslage nach Abschluss der Gesamtbehandlung, ist ein abweichendes Ergebnis regelmäßig nachvollziehbar. Eine Fehlentscheidung zum Zeitpunkt des Erstkontaktes mit unsicherer Informationslage ist daraus jedoch nicht abzuleiten.

 

Versorgungslücken müssen geschlossen werden

Mit der Ausweitung von ambulanten Behandlungsmöglichkeiten durch die Krankenhäuser ist dieses Problem noch nicht behoben. Die Versorgungslandschaft in Deutschland bietet nur selten ungenügende ärztliche Behandlungsmöglichkeiten. Vielmehr mangelt es an sektorübergreifenden Versorgungsmöglichkeiten, die eine niederschwellige (pflegerische) Betreuung oder Überwachung von älteren, multimorbiden und zunehmend alleinstehenden Patienten bietet. Viele Behandlungen und Eingriffe können aus medizinischer und technischer Perspektive schon heute in einem ambulanten Umfeld durchgeführt werden. Es fehlt dafür jedoch regelmäßig an geeigneten Betreuungskonzepten bevor die Patienten wieder selbstständig im gewohnten Umfeld handlungsfähig sind.

Heute sind es vielfach die Krankenhäuser, die diese Versorgungslücken durch eine stationäre Aufnahme oder einen verlängerten Krankenhausaufenthalt kompensieren. Mit dem vorliegenden Gesetzentwurf werden diese für ihr verantwortungsvolles Vorgehen mit neuen Sanktionen belegt. Leider tritt die Debatte über eine nachhaltige Weiterentwicklung von sektorübergreifenden Versorgungsangeboten in der öffentlichen Wahrnehmung hinter die organisatorischen Einzelinteressen der Selbstverwaltung zurück.

 

Praktische Beispiele zeigen politischen Handlungsbedarf

Jeden Tag erleben Krankenhausmitarbeiter im Versorgungsalltag anschauliche Beispiele in denen die Absurdität der aktuellen Prüfpraxis erlebbar wird. Diese Beispiele wird die AKG zukünftig stärker in die öffentliche Debatte einbringen und damit einen greifbaren Beitrag für eine zukunftsgerichtete Diskussion über neue Versorgungskonzepte liefern. Wir laden alle Interessierten zu einem offenen Dialog und einem kritischen Wettstreit der besten Ideen für eine schrittweise Weiterentwicklung unserer Strukturen ein. Den Gesetzgeber fordern wir gleichzeitig auf, die notwendigen Grundlagen für neue Versorgungsformen zu legen:

  • Dafür sollen in den Katalog ambulant durchführbarer Eingriffe und Behandlungen nach §115 b SGV 5 Betreuungspauschalen für eine pflegerische Überwachung (ärztliche Betreuung innerhalb von 30 Minuten) von 12 bzw. 24 Stunden verpflichtend aufgenommen werden. Diese Leistungen stehen allen Leistungserbringern offen und bieten eine nachhaltige Verbesserung der Patientenversorgung an der Schnittstelle von ambulanter und stationärer Versorgung.

Darüber hinaus ist für Verweildauerprüfungen ein eigenes Prüfregime vorzusehen, dass der besonderen Bedeutung der ärztlichen Aufnahmeentscheidung angemessen Rechnung trägt:

  • Verweildauerprüfungen sind zwingend in einem Falldialog zwischen Fachärzten der gleichen Fachrichtung durchzuführen.
  • Verweildauerprüfungen sind aus der Berechnung der Quote fehlerhafter Abrechnungen auszunehmen. Es handelt sich schlicht nicht um Falschabrechnungen.
  • Medizinische Aufnahmeentscheidungen dürfen ex post keiner Sanktionierung unterzogen werden. Eine Aufwandspauschale ist jeweils von der unterlegenden Seite auf Basis der finalen Einschätzung durch den MDK zu zahlen.

Pressekontakt

Arbeitsgemeinschaft Kommunaler Großkrankenhäuser e.V.

Pressesprecher: Steffen Ellerhoff

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E-Mail: steffen.ellerhoff@akg-kliniken.de