Arbeitsgemeinschaft kommunaler Großkrankenhäuser Aktuelles

Jahrhundertreform der Notfallversorgung darf nicht scheitern

Eckpunkte des BMG schüren Hoffnung auf grundlegende Verbesserungen. AKG hält vollständige Eigenständigkeit der ambulanten Notfallversorgung für notwendig.

 

Die langen Wartezeiten in den Notaufnahmen der deutschen Krankenhäuser und die regelmäßig dazu aufflammende öffentliche Diskussion zeigen es sehr deutlich: Die Notfallversorgung muss dringend auf ein neues strukturelles Fundament gestellt werden. Dies gilt es jetzt stringent im Patientensinne umzusetzen.

 

Kleine Brötchen sind nicht Sache des Ministers

Nach der umfangreichen Agenda, die der Gesundheitsminister der Selbstverwaltung mit der Ausgliederung der Pflegepersonalkosten aus dem DRG-System aufgetragen hat und dem Kraftakt aller gesundheitspolitischen Gremien rund um das TSVG, hat der Minister mit den Eckpunkten zur Reform der Notfallversorgung ein weiteres großes Reformwerk angekündigt. Die vorgestellten Eckpunkte basieren zwar weitgehend auf den bereits bekannten Vorschlägen des Sachverständigenrates zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen, bergen jedoch das Potential und die Hoffnung einer grundlegenden Optimierung der Patientenströme der ambulanten Notfallversorgung.

 

AKG unterstützt ein System aus aufeinander aufbauenden Versorgungsstufen

„Mit der Einführung von klar definierten Notfallstufen wurde ein mutiger und sinnvoller Schritt einer Strukturentwicklung gewagt – zumindest auf Ebene der stationären Versorger“, unterstreich Dr. Matthias Bracht, Vorstandsvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Kommunaler Großkrankenhäuser (AKG), die Sinnhaftigkeit eines Stufenkonzeptes in der Krankenhausversorgung. „Bei der weiteren Ausgestaltung wird der Gesetzgeber nicht umhinkommen, den Leistungsbereich der ambulanten Notfallversorgung grundlegend neu zu definieren“, so Bracht weiter.

Bisher sind es diverse einzelrechtliche Normen aus dem Bereich des Datenschutzes, des Arbeitnehmerüberlassungsgesetz bis hin zum Strafrecht, die eine sinnhafte Patientensteuerung und Zusammenarbeit zwischen ambulanten und stationären Versorgungsstrukturen praktisch torpedieren. „Nur ein klar definierter Leistungsbereich mit organisatorischer Unabhängigkeit und auskömmlicher Finanzierung kann eine Patientensteuerung nach ausschließlich versorgungsrelevanten Kriterien garantieren, steckt Helmut Schüttig, Geschäftsführer der AKG, die Rahmenbedingungen für eine Reform deutlich ab. „Wir erkennen, dass es für viele Patienten, die in den Notfallzentren der Krankenhäuser versorgt werden wollen, wirtschaftliche und effiziente Strukturen und Prozesse an der Schnittstelle zwischen ambulanter und stationärer Versorgung braucht. Wir unterstützen daher jede Initiative, die an den bestehenden Notfallstandorten eine nachhaltige und zukunftsfähige ambulante Notfallversorgung ermöglicht und eine zielgerichtete Steuerung der Patientenströme entsprechend ihres Versorgungsbedarfes sicherstellt“, zeigt sich der AKG-Geschäftsführer stellvertretend für die 22 kommunalen Großkrankenhäuser des Verbandes offen für mutige Reformen.

 

Großer Ziele erfordern großen Handlungsbedarf

Die kommunalen Großkrankenhäuser leisten heute einen erheblichen Beitrag zur Sicherstellung der ambulanten Notfallversorgung. Mit ihren rund 1,5 Mio. Notfällen pro Jahr verfügen Sie über umfassende Strukturen und ausgewiesenen Expertise mit der sie jederzeit bereitstehen, mehr Verantwortung zu übernehmen. Die derzeit nicht adäquate Finanzierung der ambulanten Notfallversorgung im Krankenhaus schafft für alle Teilnehmer versorgungfremde Anreize. Daher fordert die AKG im Rahmen der Reform Antworten auf die drängenden Fragen der sektorübergreifenden Zusammenarbeit:

  • Analog des Notfallstufenkonzeptes des G-BA braucht es für die ambulante Notfallversorgung am Krankenhaus einer abschließenden Definition von Struktur- und Leistungsanforderungen bei der ambulanten Versorgung von Notfällen.
  • Die Anforderungen an die ambulante Notfallversorgung dürfen jedoch nicht in die etablierten Prozesse der stationären Versorgung eingreifen und müssen 24/7 verfügbar sein.
  • Alle Partner brauchen ein einheitliches Verständnis des jeweiligen medizinischen Notfallstatus und des damit verbundenen Behandlungspfades.
  • Jeder Leistungserbringer der Notfallkette braucht transparente Kriterien zur Festlegung des weiteren Behandlungspfades.
  • Die konsequente Einhaltung dieser Behandlungspfade setzt eine organisatorische und finanzielle Unabhängigkeit der Leistungserbringer im akuten Notfall voraus.
  • Hier bedarf es einer sozialrechtlichen Verankerung eines eigenständigen Leistungsbereiches mit konkretem Versorgungsauftrag und einer fallunabhängigen Finanzierungsstruktur. Nur wenn die Versorgung des Notfalls im Rahmen des vorgegebenen Behandlungspfades auskömmlich finanziert ist, können Fehlanreize ausgeschlossen werden. Die bestehenden Vergütungssysteme der ambulanten und stationären Versorgung sind dafür ungeeignet.
  • Beim Zusammenwirken der verschiedenen Leistungsbereiche ist eine lückenlose Dokumentation auf Basis aktueller digitaler Standards zu gewährleisten und rechtlich abzusichern. Nur so können vermutete Effizienzreserven realisiert werden.
  • Im Rahmen der Behandlungspfade getroffene Versorgungsentscheidungen dürfen in der nachfolgenden Versorgungsstufe keinerlei nachträglicher Überprüfung durch die Kostgenträger unterzogen werden.

 

Reform nicht ohne die Länder möglich

Die vorliegenden Eckpunkte aus dem BMG und die konzeptionelle Vorarbeit des SVR und einschlägiger Fachgesellschaften bieten eine große Chance die Notfallversorgung in Deutschland anhand von qualitätsorientierten Planungskriterien mit einem System aus aufeinander aufbauenden Versorgungsstufen zukunftsfähig aufzustellen. Dafür braucht es eines klar adressierten Versorgungsauftrages und transparenter Strukturanforderungen. Aufgrund der hohen regionalen Relevanz der Patientensteuerung kommt den Landesplanungsbehörden dabei eine außerordentliche Bedeutung zu. „Herr Spahn tut daher gut daran, die Länder mit ihren unterschiedlichen Strukturen und die handelnden Akteure vor Ort frühzeitig in seine Erwägungen mit einzubeziehen“, so der AKG Vorsitzende Bracht und lädt den Minister auf diesem Wege direkt zu einem Besuch vor Ort nach Hannover ein, wo der Mediziner ein kommunales Großklinikum leitet.

 

Die AKG

Die AKG ist ein Interessenverbund von 22 Großkrankenhäusern und Krankenhausverbünden aus dem gesamten Bundesgebiet mit einem Umsatz von insgesamt gut 8,6 Milliarden Euro. Sie repräsentiert derzeit ca. 40.500 Betten und vertritt damit rund 8,5 % des gesamtdeutschen Krankenhausmarktes. Gut 1,7 Millionen Patienten im Jahr werden in den Häusern der AKG von nahezu 110.000 Mitarbeiter/innen vollstationär behandelt. Alle Mitglieder sind Maximalversorger in kommunaler Trägerschaft und decken damit das gesamte medizinische Spektrum ab. Als kommunale Krankenhäuser erbringen die Mitglieder der AKG eine wichtige Leistung für die Versorgung der gesamten Bevölkerung, von der Grund- bis zur Maximalversorgung. Damit leisten sie einen wichtigen gesundheitspolitischen Beitrag. Die Gewinne werden reinvestiert und nicht an Investoren abgeführt. So bleiben die Gelder den Regionen erhalten.

Pressekontakt

Arbeitsgemeinschaft Kommunaler Großkrankenhäuser e.V.

Pressesprecher: Steffen Ellerhoff

Fon: 0511 906 6500
E-Mail: steffen.ellerhoff@akg-kliniken.de